Der BAT-Jeep

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Geschichte ...

Die Schweizer Armee hatte bereits vor den 2. Weltkrieg Willys Jeeps und amerikanische Militär Fahrzeuge. Allerdings stellte man nach WW2 fest, dass eine kompakte, schnelle und wirksame Waffe zur Panzerabwehr fehlte.
Die bekannten und bewährten Willys Modelle 2a und 2b sowie 3a und 3b verfügten aber nicht über ausreichende Nutzlast und ein geeignetes Fahrwerk. Daher wurde nach einer Alternative gesucht.

Die Alternative war der Willys Jeep M38A1 der US Army. Er ist mit seinem 2,2 Liter Hurricane Motor und 72 PS geringfügig stärker und auch die Karosserie ist grösser und breiter. Zusammen mit einem verstärkten Fahrwerk (eine zusätzliche Blattfeder-Lage) ergab sich eine Nutzlast von sagenhaften 790 Kg bei 1290 Kg Leergewicht - ein Trägerfahrzeug war also gefunden.

Die Schweizer Armee kaufte also 820 Stück M38A1 Jeeps in der USA die 1958 in Kisten verpackt per Seefracht nach Europa kamen. Hier wurden Sie in die Schweiz nach Thun gebracht und dort montiert.
Dies war die Geburtsstunde des BAT-Jeeps.

Diese speziellen M38A1 Jeeps haben einige “Spezialitäten” und für die Schweiz spezifische Modifikationen.
Hier ein kleiner Auszug:
-> Der Beifahrer Haltegriff wude nicht montiert weil sich ein Schweizer Soldat nie festhalten muss.
-> Der Ventildeckel wurde kurzerhand durch eine Variante ohne Entlüftung ersetzt.
-> Das Reserverad wanderte nach rechts auf die Beifahrerseite
-> Hinten wurde eine 110 mm Panzer Abwehrkanone mit 11 mm Ziel Maschinengewehr installiert
-> Auf der linken hinteren Radabdeckung befand sich ein Putz- und Servicekasten auf dem der Schütze sass.
-> Auf dem rechten Radkasten war ein Reservekanister installiert auf dem der Richtschütze sass. Er gab die Positionsveränderung an den Schützen weiter.
-> Das Geschützrohr wurde im Winter in eine Schelle über der Frontscheibe geklemmt. Im Sommer und bei Übungen wurde die Scheibe abgeklappt und das Geschützrohr über der Scheibe eingespannt. Diese zwei Halterungen sind ein Kompromiss für strenge Schweizer Winter. Ein Dach oder Dachgestänge war grundsätzlich nicht installiert.
-> Unter dem Geschütz befanden sich 6 Halterungen für die Panzerabwehrraketen und die Munition des MG’s. Zusätzliche Munition würde im Bedarfsfall auf Jeep Anhängern mitgeführt.
-> Zwischen den Sitzen befanden sich Gewehrhalter für 2 Gewehre.

Das Hauptproblem dieser Geschützkombination bestand aber nach wie vor in dem leichten Trägerfahrzeug. Der BAT-Jeep wiegt nur 1290 Kg und ist damit wesentlich zu leicht für diese Geschützgrösse. Der Rückstoss würde das Fahrzeug umwerfen oder zumindest stark versetzen.
Die Lösung ist eine Auslassöffnung an der Rückseite des Geschützrohrs. Eine Art Düse. Diese wurde so dimensioniert, dass 2/3 der Geschossenergie nach vorne auf die Rakete wirken. 1/3 wird durch die Düse abgeben. Diese gleichzeitige Energieabgabe nach vorne und hinten hat zur Folge, dass der BAT-Jeep beim Schuss ziemlich ruhig stehen bleibt.
Allerdings muss peinlichst darauf geachtet werden, dass NICHTS hinter dem Jeep steht. Durch die Düse entsteht beim Schuss ein 10-15 Meter langer Feuerschweif der alles “grillt” was sich hinter dem Jeep befindet.

Und so funktioniert’s: Der Schütze zieht den Knopf am Geschütz heraus. Über das MG wird ein Schuss pro Sekunde abgefeuert (sehr langsam für ein MG !) der Richtschütze gibt die erforderliche Veränderung an “hoch / runter” oder “rechts / links”. Der Schütze setzt die Anweisung über die zwei Einstellräder um.
Sobald das MG den Panzer trifft ändert sich der Aufprall-Ton in ein metallisches Klingeln.
Der Schütze drückt jetzt den Knopf hinein und feuert die Rakete hinterher. Diese trifft sozusagen exakt die letzte MG Treffer Position und zerstört so den Panzer.

Heute sind Panzer wesentlich agiler und schneller als früher. Ausserdem haben Sie empfindliche Wärme und Zielsensoren. Würde man also mit einem BAT-Jeep zum Beispiel einen Leopard Panzer angreifen dann würde bereits die Hitze des MG’s ausreichen um eine präzise Ziel Justierung zu haben. Der Panzer würde also innerhalb von Sekundenbruchteilen den Geschützturm drehen und den BAT-Jeep zerstören. Mit dieser Weiterentwicklung was das AUS für den BAT-Jeep klar.

Inzwischen sind alle 820 BAT-Jeeps ausgemustert und abverkauft. Viele wurden von den ehemaligen Jeep-Fahrern übernommen. Bei den meisten (wie auch bei meinem) wurde das Geschützt und die Munitionshalterung in Thun entfernt. Hinten wurde eine Sitzbank eingebaut und eine Heckklappe angebracht.

Es gibt aber zum Glück noch einige wenige original BAT-Jeeps mit Geschütz. Die meisten Schussfähig in Schweizer Privatbesitz. Zumindest ein BAT-Jeep ist mit Geschütz in Deutschland zugelassen. Hierzu wurden endlose Behördengänge sowie eine umfangreiche Demilitarisierung des Geschütz mit Gutachten erforderlich.
Umbauarbeiten wie Schussmechanik entfernen, MG-Lauf und Geschützrohr über die ganze Länge aufsägen sind nur ein Teil der Arbeiten.
Bei unserer Bürokratie muss man sich einfach die Frage stellen ob sich eine solche Modifikation lohnt.
Denn jeder “Dorf-Sheriff” meint dieses gefährliche Gerät anhalten zu müssen plus reichlich Probleme beim Grenzübertritt. Allerdings würde es mir zugegebenermassen allergrössten Spass machen mit einem sochen BAT-Jeep auf den TÜV-Hof zu fahren.

Die Fahrzeug-Nummerierung wurde mit “M 65001” begonnen und endete mit “M 65820”. Damit ist ein BAT Jeep eine sehr seltene Willys-Bauform die eben exakt 820 mal in Thun gebaut wurde und nicht in einigen hunderttausend Stück in USA.

Nicht-Wisser outen sich meist durch umfangreichen Umbau mit US-Kennzeichen und US-Optik.
Hier handelt es sich aber um ein Schweizer Original und das sollte meiner persönlichen Meinung nach so weit möglich und sinnvoll im Originalzustand verbleiben und weder grundlegend umgebaut noch Hochglanz restauriert werden.

Übrigens ist der BAT-Jeep noch ein echter Willys. Kaiser Jeeps sind neuer und haben eine geänderte Technik. Man kann sie relativ leicht an den einzelnen runden Instrumenten erkennen. Willys Jeeps haben noch eine kleine 4-Eckige Instrumentenplatte in der Fahrzeugmitte.
Wer schwache Bandscheiben hat sollte den BAT-Jeep immer mit 4 Personen besetzt fahren - erst dann wird die verstärkte Federung “akzeptabel”.

Ein herzliches Dankeschön an “Rudolf Leuenberger” und “Robert Bart” die als Schweizer Jeep Fahrer mit Ihrem Fach- und Detailwissen dazu beigetragen haben, dass diese Seite zum BAT-Jeep entstehen konnte.
Ebenfalls ein herzliches Dankeschön an den mir unbekannten Besitzer des BAT-Jeeps der 2007 beim “Convoy to Remember” in Birmenstorf war und damit unbewusst diese schönen Bilder ermöglicht hat.
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